Not-Operation und Weihnachten (Mexiko)

Die Operation – die Angst lastet schwer

Ja, nun war es soweit, wir machten uns auf den Weg nach Queretaro. Wir suchten das Krankenhaus laut den Angaben von Google maps – und fanden nichts. Ich wurde zunehmend nervöser und die Angst vor dem nächsten Tag überfiel mich eiskalt. Nachdem wir herausgefunden hatten, wo sich die Klinik nun wirklich befindet fuhren wir in ein Shoppingcenter um uns die Zeit zu vertreiben. Meine Nerven waren zum zerreißen gespannt und die Tränen liefen nur noch. War es die richtige Entscheidung, die OP hier in Mexiko machen zu lassen? Was ist, wenn etwas schief geht? Was, wenn wir die Reise nicht fortsetzen können? Wenn ich nicht mehr richtig sprechen kann? All diese Gedanken lasteten schwer. Am Abend hatte ich noch einen Termin bei meiner Endokrinologin und bekam die Überweisung für das Krankenhaus. Es waren von hier aus nur wenige Kilometer bis zu dem Krankenhaus, in dem am nächsten Morgen die OP stattfinden sollte. Die Strasse hinter dem Krankenhaus war ruhig, sicher und bot genügend Platz um dort in unserem Wohnmobil zu schlafen. Völlig erledigt von dem langen Tag und den vielen Tränen fiel ich müde ins Bett. Stefan machte sich zusammen mit Emma auf, um an den umliegenden Geldautomaten noch das nötige Bargeld zu holen, damit wir dann auch alle Rechnungen zahlen konnten. Denn die Kosten für den Chirurg und das gesamte Ärzteteam war in Bar zu bezahlen. Die Geldbündel stapelten sich auf unserem Küchentisch wie in einem schlechten Krimi.

Der Tag der OP war gekommen. Erst einmal mussten alle Formulare ausgefüllt und unterschrieben werden, wobei ich bis heute nicht genau weiss, was ich dort unterschrieben habe, denn es war ja alles auf Spanisch. Dann konnte ich auch schon in mein Zimmer. Ich hatte ein Einzelzimmer mit eigenem Bad und ein neueres, elektrisch verstellbares Krankenbett. Auch das OP-Hemd sah genau so aus, wie ich es kannte. Die Pflegenden versuchten dann des Öfteren eine Infusion zu legen, was aufgrund der Kälte und der Angst die ich empfand gar nicht so einfach war. Hier hatte ich bezüglich der Hygiene einige Bedenken. Händehygiene sah ich keine und auch mit der Desinfektion der Punktionsstelle wurde es nicht so genau genommen. Immerhin hatten sie original verpacktes Einmalmaterial. Nach dem vierten Versuch lag dann die Infusion. Ab jetzt hiess es warten. Trotz Einzelzimmer durften die Kinder nicht zu mir und Stefan versuchte sie im Wohnmobil zu beschäftigen und zwischendurch bei mir vorbeizukommen und zu schauen ob ich auch alles hatte. Dann kam der Chirurg zu mir. Was für ein komisches Gefühl, den Menschen, der einen gleich operieren wird, das erste Mal zu sehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur per E-Mail Kontakt. Dr. Sierra war ein überaus sympathischer Arzt und ich war nun sehr beruhigt. Da er noch einen Notfall hatte verspätete sich meine OP um eineinhalb Stunden. Nun gut, dann wartete ich halt noch etwas.

Dann ging es in den OP Saal. Da die Türen alle sehr eng waren, wurde ich mit dem Rollstuhl gebracht. An einer alten hölzernen Tür wurde ich dem Pfleger im OP übergeben und musste mich auf den OP-Tisch legen. Noch mit einem Tuch zugedeckt lag ich dann alleine unter der riesigen OP-Lampe und mir liefen nur noch die Tränen. Ich fühlte mich ausgeliefert und hatte keine Ahnung, wie es ausgehen würde. Dann kam endlich das Anästhesieteam, sprach mit mir, machte etwas Musik und schon bald schlief ich tief und fest. Eine gefühlte Ewigkeit später fand ich mich zwischen Vorhängen mit einem Sauerstoffschlauch unter der Nase wieder. Langsam kam ich wieder zu Bewusstsein und dann ging auch noch die Infusion kaputt. Leider liess sich der Pfleger nicht davon überzeugen keine neue Infusion zu legen. Er meinte beharrlich, ich könne noch keine Tabletten schlucken. So mühte auch er sich in drei, hygienisch eher bedenklichen Versuchen damit ab mir doch eine neue Infusion zu verpassen. Nun ja, diese hielt dann auch bis zum nächsten Morgen. Als ich dann wach genug war wurde ich auf der Pritsche zurück ins Zimmer gebracht, wo ich endlich in das bequeme Bett klettern konnte. Oh, was habe ich mich gefreut, als Stefan und die Kinder zu mir kamen. Der Chirurg hatte bei der Spitalleitung ein gutes Wort eingelegt und so durften nun auch die Kinder ins Zimmer kommen. Sie hatten mir extra ein Bild gemalt und freuten sich riesig, Mama wieder zu haben.

Ja, es war alles gut gegangen. Meine Sprache hatte keinen Schaden genommen und die Schmerzen hielten sich mit den Schmerzmitteln in Grenzen. Ich war durch die Narkose noch etwas benommen und sehr froh, dass der Chirurg nur die eine Hälfte der Schilddrüse entfernen musste. Nach Anweisungen des Chirurgen durften mir die Pflegenden etwas zu Essen bringen und bis auf die Injektionen gegen Schmerzen und Übelkeit die es standardmäßig gab und gegen die ich mich nicht wehren konnte kümmerten sich die Pflegenden nicht wirklich. Gut, dass ich auch sonst nichts weiter brauchte. Nach einer recht guten Nacht durfte ich die Klinik am nächsten Tag wirklich schon verlassen. Noch etwas geschwächt und mit 3000 CHF weniger auf dem Bankkonto machten wir uns auf den Weg.

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in einem städtischen Erholungspark, in dem wir auch campen durften. Mitten in der Woche waren wir fast die einzigen Gäste hier und Noam durfte beim säubern des Schildkrötenbeckens helfen. So viele Schildkröten wie hier hat er noch nie in der Hand gehabt. Stefan plagten ziemliche Kopfschmerzen, die ganze Situation hatte ihn dann doch mehr belastet, als er anfangs vermutet hatte. Uns tat die Erholung in der Natur gut. Die Kinder konnten sich frei bewegen, die Tiere beobachten und spielen. Ich musste mich noch schonen, denn beim Laufen schmerzte der Hals noch und die Druckstelle im Mund durch den Tubus machte beim Essen auch nicht so viel Spass.

Auf dem Weg nach Cancun – Die Yucatan-Halbinsel im Schnelldurchlauf

Mit neuen Kräften ging es dann mit kurzen Stopps Richtung Cancun, wo Oma und Opa vom Flughafen abgeholt werden wollten. Auf unserem Weg über die Yucatan-Halbinsel passierten wir den Dschungel in Catemaco und sahen wunderschöne rote Papageien. Noam sammelte so viele Orangen, dass es für eine Limonade reichte, schwang sich über eine Liane in das kühle Nass und flitzte die Wasserrutsche durch den Dschungel hinunter.

In Campeche begegneten wir den Piraten und erklommen die Stadtmauer. In einem tollen Café assen wir den besten Käsekuchen seid langer Zeit und probierten alle möglichen Gesellschaftsspiele aus.

In der gelben Stad Izamal flüchteten wir mal wieder vor den feuerwerkslustigen Mexikanern und erklommen eine Pyramide. Als die Kinder am Abend müde waren fuhren wir mit einer richtigen Mädchenkutsche zurück zu unserem Campingplatz. Was für ein cooles Erlebnis.

Weiter ging es nach Merida. Hier fanden wir einen tollen Erlebnispark. Die Kinder konnten nach Herzenslust klettern, rutschen und Trampolin springen. Ganze sechs Stunden tobten sie sich aus um todmüde ins Bett zu plumpsen.

An der palmengesäumten Nordküste fanden wir einen traumhaften Platz mit weissem Sand und sauberen Wasser direkt unter Kokospalmen. Wir genossen noch ein paar schöne Tage und machten uns dann auf nach Cancun.

Cancun – Wohnen in einer Wohnung und Besuch aus der Heimat

Für gut drei Wochen hatten wir ein Appartement in der Innenstadt von Cancun gemietet, da es zusammen mit den Grosseltern im Wohnmobil definitiv zu eng gewesen wäre. Das Appartement war sauber und schön eingerichtet. Die Anlage hatte einen riesigen Pool und auch zwei kleine Kinderspielplätze. Hier fühlten wir uns wohl. Voller Vorfreude malten die Kinder ein Willkommensplakat für Oma und Opa und wir allen fielen den beiden mit Tränen in den Augen am Flughafen um den Hals. Wir genossen die zwei gemeinsamen Wochen in vollen Zügen und hatten uns viel zu erzählen. Mit dem Mietwagen erkundeten wir die Strände rund um Cancun, bestiegen die Pyramiden in Tulum, badeten in einer Cenote und fuhren mit dem Golfcar über die Isla de Mujeres. Unsere kleine Prinzessin Jala feierte ihren dritten Geburtstag. Ganz nach ihrem Wunsch gab es einen Schokoladenkuchen und viele Mädchengeschenke mit noch mehr Glitzer. Auch eine Piñata nach mexikanischem Vorbild durfte nicht fehlen. Jala ist nun ein richtig grosses Mädchen und wartet schon sehnsüchtig darauf so alt zu werden wie ihr Bruder Noam.

Ganz Mexiko war schon lange weihnachtlich geschmückt und auch wir kauften einen Tannenbaum den wir ganz nach mexikanischer Tradition bunt schmückten. Die Kinder konnten die Ankunft des Christkindes kaum erwarten und so assen wir das traditionelle schweizerische Käsefondue erst nach der Bescherung. Erfüllt mit grosser Dankbarkeit feierten wir ein wunderschönes und entspanntes Weihnachtsfest im Kreise der Familie.

Die zwei Wochen vergingen wie im Flug und schon wurde es Zeit Abschied zu nehmen.

Auch für uns wurde es Zeit, all unsere Habseligkeiten – von denen wir immer noch reichlich haben – wieder im Wohnmobil zu verstauen. Die Kinder konnten es gar nicht mehr erwarten, wieder in „ihrem“ Zimmer zu schlafen, so dass wir das Appartement schon einen Tag früher verliessen.

Von Cancun bis nach Belize – Wiedersehen mit alten Bekannten

In den nächsten zehn Tagen ging es südlich Richtung Belize.

Am Xhpu Ha Beach trafen wir auf internationales Publikum. Der Campingplatz selber war zwar nicht so toll, die Stimmung dafür um so besser. Hier trafen wir Antonio und Antonella mit ihren vier Kindern die seid acht Jahren in einem Mercedes Sprinter unterwegs sind. Wir hatten wundervolle Gespräche und sind tief beeindruckt. Wir hoffen auf ein Wiedersehen in Spanien, wo sie ab März leben werden.

In Tulum schnupperten wir die Hippie-Backpackerluft und fuhren dann weiter nach Majahual wo die grossen Kreuzfahrtschiffe anlegen. Hier hat Thomas, ein sehr lieber Österreicher einen kleinen aber feinen Campingplatz direkt auf karibischem Sand eröffnet. Schon bei der Einfahrt stach uns ein Wohnmobil ins Auge. Wir konnten es fast nicht glauben. Nach fast einem Jahr trafen wir die Schweizer Erika und Beat von www.silverstar-on-tour.jimdo.com wieder. Die Freude ist riesig, haben wir doch letztes Jahr Ostern zusammen an den Carlsbad Höhlen verbracht. Noam und Beat knüpften mit dem Fussballspiel genau da an, wo sie beim letzten Mal aufgehört hatten. Auch in Thomas fand Noam einen neuen Freund. Er lernte viel über die Hühner und sammelte fleissig die Eier und fing die Hühner am Abend wieder ein um sie zurück in ihren Stall zu bringen. Auch die geretteten Hunde haben es Noam angetan. Schweren Herzens und mit tollen Erinnerungen fuhren wir weiter.

In Bacalar bewunderten wir die vielen verschiedenen blauen Farbtöne der Lagune und machten uns bereit für unsere Weiterfahrt nach Belize. Leider bekam Jala Fieber. Schnell war durch einen Urintest eine Blasenentzündung diagnostiziert. Nach einem kurzen Arztbesuch, dem passenden Antibiotikum und nachlassendem Fieber konnten wir einen Tag später in Belize einreisen. Über Belize dann mehr beim nächsten Mal.

Unser Fazit nach sechs Monaten Mexiko:

Wir haben uns total in dieses Land verliebt. Entgegen aller Warnungen fühlten wir uns jederzeit sicher und willkommen. Wir fanden über das ganze Land verteilt schöne und günstige Campingplätze, tolle Kolonialstädte und wunderschöne Strände. Überall gab es frisches Obst und Gemüse zu unschlagbaren Preisen zu kaufen und auch grosse Einkaufzentren wie Walmart, Mega, Soriana oder Chedraui liessen keine Wünsche offen. Für unser Fiat Wohnmobil konnten wir in Cancun einen professionellen Service machen lassen, inklusive Keilriemenwechsel. Auch nötige Ersatzteile wie Bremsklötze für die Weiterreise konnten wir hier kaufen. Die ärztliche Versorgung ist völlig ausreichend bis hervorragend, gut sortierte Apotheken sind überall zu finden und Laboratorien für jegliche Art von Blut- und Urinuntersuchung gibt es in jeder Stadt. Wir können sagen, dass wir uns gut zurechtgefunden haben und unser Leben bequem einrichten konnten.

Es war eine phantastische Zeit und wir hoffen für dieses wundervolle Land, dass es in der Welt in ein besseres Licht rückt und mehr Menschen diese Schönheiten entdecken wollen.

Ja, nun verlassen wir schmerzenden Herzens Mexiko und schauen, was Belize für uns bereit hält. Eine richtige Vorstellung haben wir nicht, nur die Befürchtung, dass dort alles sehr teuer sein wird. Doch bis jetzt wurden unsere Erwartungen meist positiv übertroffen. Hoffen wir, dass es auch diesmal so sein wird.

Bis zum nächsten Mal

Wir sind eine junge Familie, die uns gemeinsam einen weiteren Lebenstraum erfüllen und für mehrere Jahre durch die Welt reisen. Unsere Reise begann in den USA und führt uns durch 15 Länder auf dem Kontinent Amerika. Mit unserer Homepage sollen andere Menschen inspiriert und ermutigt werden, ihre kleinen und grossen Träume zu verwirklichen.